„Bis wann brauchst du das Gurtzeug wieder?“
„In zwei Wochen wäre gut, da wollten wir Teamtraining machen.“
„Ok, ich denke, das kriege ich hin“.
Ich lade das Gurtzeug in den Kofferraum. Hinter mir landen die Springer des letzten Loads. Im vorletzten war ich noch selbst dabei. Neben der Packfläche spielt mein Sohn ausgelassen mit den anderen Kindern.

Die vergangenen Jahre habe ich ohne Frage intensiv gelebt. Vielleicht war es eine Reaktion auf den Unfall, das Leben danach voll auszukosten. Vielleicht ist es auch nur das Dilemma vieler Menschen in meinem Alter, so irrwitzig viele Dinge unter einen Hut bekommen zu müssen. Familie, Arbeit, Haushalt, meine Physiotherapie, meine Freizeit am Sprungplatz. Das war und ist einfach viel, auch wenn ich keinen Teil davon hätte weglassen wollen. Nun hat sich also aus einer Verkettung glücklicher Umstände heraus eine dreiwöchige Fahrradtour ergeben, und auch wenn Teile davon als Arbeit durchgehen, auch wenn die körperliche Herausforderung unübersehbar ist, so hoffe ich dabei vor allem, auf den langen Etappen zur Ruhe zu kommen. Lange Reisen in gemächlichem Tempo sind wie gemacht dafür. Pilgerwege ziehen sich durch ganz Europa. Als Läuferin liebte ich es, beim monotonen Traben meine Gedanken zu sortieren. Genau das fehlt mir gerade in dem alltäglichen Wahnsinn. Da hilft es auch nicht viel, dass der aus einer Aneinanderreihung schöner und mir persönlich wichtiger Dinge besteht.
Bald darf ich ausbrechen aus diesem Alltag. Viel Natur. Die Langsamkeit als Selbstzweck. Etwas Besseres könnte mir kaum passieren.

Wenn ich an ausnahmslos jedem Ort einen Veranstalter gefunden hätte, ich hätte wohl nicht nein gesagt. Nun bin ich manchmal froh, dass es nicht so gekommen ist, dass die reinen Reisetage überwiegen. Umso mehr werde ich Zeit haben für das Erleben unterwegs, und umso mehr werde ich die Gelegenheiten genießen, darüber berichten zu dürfen.

Kategorien: Tour

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