Mit dabei die Disziplinen: Regelwerke verstehen, Formulare ausfüllen, verlässliche Informationen bekommen.

Foto: pixabay

Der harmlos klingende Satz „erst müssen wir mal schauen, ob und wie du klassifizierbar bist“ stellt sich als ganz schön harte Nuss heraus. Im Paratriathlon gibt es verschiedene Startklassen für Athlet*innen mit unterschiedlichen Handicaps. Die Zuordnung zu einer Klasse erfolgt nach einem Punktesystem, das die jeweiligen Einschränkungen genau unter die Lupe nimmt und mir bis heute ein großes Rätsel ist. Die Pandemie macht es dank nicht stattfindender Vor-Ort-Termine extra kompliziert. Und so wird mir für eine vorläufige Grob-Einschätzung ein Stapel Formulare überreicht. Dank langjähriger Erfahrung als Physio-Patientin verstehe ich einige der Fachbegriffe und kann wohl auch die meisten Muskelwerte recht passend zuordnen. Aber was hier gefordert wird, kann ich sicher nicht alleine bewerkstelligen. Der Rat „das macht sonst immer der Hausarzt“ hilft auch nicht weiter. Nein, der hat jetzt Besseres zu tun, ich grätsche sicher nicht in seine Impfkampagne rein mit meinem Privatspaß. Kann das nicht auch ein Physio? Ja, bekomme ich als Antwort, für diese erste Einschätzung reicht das.

Für Menschen mit Bewegungseinschränkungen gibt es die Startklassen PTS2 bis PTS5. Das sind die, die noch ein normales Zweirad fahren können und irgendwie rennen (z. B. mit Prothesen). Dann gibt es die Klassen PTWC1 und PTWC2. Hier ist den Radstrecke mit dem Handbike zurückzulegen und die Laufstrecke mit dem Rennrollstuhl. Da ich zwar gehen kann, aber nicht rennen und an „normales“ Fahrradfahren noch nicht einmal gedacht habe, wäre es entscheidend für mich, in eine der PTWC Klassen eingeordnet zu werden. Bevor ich eine mehrere tausend Euro teure Ausrüstung kaufe und in monatelanges Training starte, sollte diese Frage geklärt sein.

Nach einigem Hin und Her sitze ich heute also in einer Physiotherapie-Praxis, die ich vor einigen Jahren schon einmal als Patientin besucht hatte. Die junge Auszubildende hat die zeitintensive Aufgabe übernommen, jeden einzelnen meiner mehr oder weniger vorhandenen Beinmuskeln zu begutachten und zu dokumentieren. Langsam füllen sich die Formularseiten mit Zahlen und Anmerkungen.

16. Juni
Die Antwort der Klassifiziererin ist da: „[…] nicht von einem Arzt ausgefüllt […] zwingend erforderlich […]“. Ich muss mich schon sehr zurückhalten, nicht auszurasten. Das waren jetzt mehrere Stunden Arbeit, nicht nur von mir, und das soll das Ergebnis sein? Na danke.

19. Juni
Eine offizielle, vorläufige Einschätzung bekomme ich immer noch nicht, aber den Hinweis, dass ich wohl in eine der beiden PTWC Klassen kommen werde. Wie sicher das ist oder unter welchen Umständen es doch knapp werden könnte, das werde ich wohl nicht erfahren. Was bleibt mir anderes übrig, als optimistisch zu denken?



Kategorien: Triathlon

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.