Oder: eine dieser leicht absurden „Wie alles begann“-Geschichten

Mensch liegt auf dem Rücken im Wasser
Foto: Pixabay

Ich finde ja, eine Querschnittlähmung hat einige faszinierende, oft auch witzige Nebeneffekte. Einer davon: auf einmal kann ich schwimmen. Also schwimmen im Sinne von nicht untergehen. Offenbar haben sich meine Auftriebsverhältnisse derart geändert, dass ich nun wie ein Korken auf dem Wasser liege. Seitdem denke ich, das ist ein Geschenk, das müsste ich doch ausnutzen. Eine sinnvolle Technik, um mich im Wasser vorwärts zu bewegen, beherrsche ich nicht. Den guten Vorsatz, dies endlich zu lernen, schleppe ich schon eine Weile mit mir rum.

Und wie kommt es jetzt, dass ich mich aufmache, nicht nur eine, sondern gleich drei neue Sportarten zu lernen? Nun ja, das hat sich irgendwie so ergeben …

… Es ist Mitte Mai 2021 und die sinkenden Inzidenzen lassen ein baldiges Ende der Pandemie erahnen. Nein, ich habe wirklich keine Lust mehr auf den ganzen Mist, das Alleinsein frustriert mich. Mein persönlicher Lockdown begann schon Anfang 2019 mit dem Verlust meiner Werkstatt. Wir ein Kartenhaus brach mein Lebensentwurf in sich zusammen. Die gemeinsamen Erlebnisse mit meinen Springerfreunden fehlten. Und wenn ich mir doch mal ein Herz fasste und von den Schwierigkeiten des Mutter-Daseins berichtete, stellte ich oft mitten im Gespräch fest, dass mein Gegenüber mich seit Minuten über die Schwierigkeiten meines Handicaps reden hörte. Während also fast alle die erwarteten Lockerungen herbeisehnen, macht sich bei mir die Angst breit, ich könnte nicht nur weiter in der verhassten Einsamkeit stecken bleiben, nein, meine Situation wäre plötzlich sichtbar. Am Ende des heutigen Tages werde ich also, um endlich wieder ein Leben zu haben, mit einer E-Mail an den benachbarten Sportverein in ein neues Abenteuer starten. Aber nicht ohne vorher noch einmal darzulegen, warum das auf keinen Fall geht.

1. Fallschirmspringen ist kein Hobby. Es war eine Lebensphilosophie für mich. Das ist nicht einfach Sport, und „Hobby“ ist in diesem Zusammenhang eher eine Beleidigung. Es kann und wird nie einen Ersatz dafür geben. Danach brauche ich gar nicht suchen.

2. „Echter“ Sport (also einer, in dem Wettkämpfe ausgetragen werden) setzt für mich die Zuordnung zu einer Handicap-Klasse voraus. So sehr ich auch das Laufen als Sport vermisst habe, diese Klassifizierung wäre gerade in der Anfangszeit ein ganz falscher Anreiz gewesen. Und so habe ich eben jahrelang lieber das Laufen als Fähigkeit trainiert, ohne Hoffnung auf Medaillen.

3. Es folgen noch ein paar banale Ausreden, Zeit, Geld und Platz, um Sportgeräte unterzustellen.

Am Ende hat sich dann doch die Sportlerin in mir durchgesetzt. Das sich-verbessern, das hinarbeiten auf ein Ziel, das Feiern der Erfolge. Das fehlt mir. Besteht vielleicht sogar die Chance, hier und da einen Platz auf dem Treppchen zu ergattern? In jedem Sport, den ich bis jetzt gemacht habe, haben mich irgendwann Wettkämpfe gereizt.

In der Nähe unseres Wohnorts liegt das Sportgelände des PSK e. V.. Und weil das eben logistisch so günstig ist, werfe ich einen genaueren Blick auf diesen Verein. Das Wassersport-Angebot beschränkt sich auf Gymnastik und Aquajogging. Schade. Aber die Triathlon-Abteilung macht einen engagierten Eindruck und im Triathlon kommt ja auch schwimmen vor. Ob ich da mitmachen kann? Und wenn ich schon mal dabei bin, was waren doch gleich die anderen beiden Disziplinen? Handbiken kann ja gar nicht so kompliziert sein, schließlich habe ich schon Muckis vom Berkelbike-fahren und Rollstuhlfahren kann ich ohnehin.

Natürlich weiß ich jetzt schon, dass das vermutlich eine völlig überhebliche Fehleinschätzung ist, aber hey, Triathlon ist halt auch einfach cool! In gut zwanzig Jahren Fallschirmspringen habe ich die Wichtigkeit des cool-dabei-Aussehens genauso verinnerlicht wie die Selbstironie, mit der wir über diese seltsame Verhaltensweise lachen.z

Und so kommt es, dass ich hier nun von meinem Weg zum (Para-)Triathlon berichte.

Kategorien: Triathlon

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